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Pimcore Digital Commerce Framework: E-Commerce-Systeme im Vergleich Teil 4

Geschrieben von Luisa Gröninger | 05.03.26 08:33
Das Pimcore Digital Commerce Framework fällt im Zusammenhang unseres E-Commerce-Systemvergleichs etwas aus dem Rahmen: Die Commerce-Lösung von Pimcore ist Bestandteil der Pimcore Plattform, die eine ganze Reihe von Produkten und Werkzeugen für Data-Management, Digital Experiences und E-Commerce zur Verfügung stellt. Gerade deshalb ist das Digital Commerce Framework von Pimcore aber eine interessante Alternative für Unternehmen, die beispielsweise auch Datenverwaltung und Content Management für kanalübergreifende Commerce-Szenarien in einer integrierten Plattform orchestrieren möchten.

Das Pimcore Digital Commerce Framework – Die Plattform-Lösung aus Österreich

Bereits 2021 wird Pimcore im renommierten Forrester Report „Now Tech: Digital Experience Platforms, Q2 2021“ als „vielversprechender DXP-Anbieter“ geführt. Die verschiedenen DXP-Lösungen werden dabei anhand der Funktionssegmente Commerce, Content- und Datenmanagement bewertet. 2025 wurde Pimcore erstmalig auch im Gartner Magic Quadrant for Digital Experience Platforms gelistet. 

Open Source unter der Haube

Pimcore hat 2025 sein Lizenzmodell geändert und ist von der GPLv3 auf die neue Pimcore Open Core License (POCL) umgestiegen, um zukünftig rechtliche Unsicherheiten und Compliance-Konflikte auszuschließen. Alle Pimcore-Editionen sind unter der Pimcore Open Core License (POCL) lizenziert. Mit der POCL bietet Pimcore seinen Nutzer*innen weiterhin Zugriff auf den vollständigen Quellcode für die Pimcore-Plattform, sodass die Plattform vollständig an individuelle Anforderungen angepasst werden kann. Keinen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 5 Millionen Euro im Jahr, sowie Non-Profit-Organisationen und akademischen Einrichtungen steht Pimcore als Community Edition kostenlos zur Verfügung. Alle anderen Unternehmen müssen nach der Lizenzumstellung auf eine der kommerziellen Editionen umsteigen. Dazu stehen die Professional Edition, die Enterprise Edition und die Enterprise Edition PaaS zur Verfügung.

Das Pimcore E-Commerce Framework ist Teil der Enterprise Edition und der Enterprise Edition PaaS. Diese Editionen umfassen zusätzlich zu den Pimcore Enterprise Extensions auch umfangreiche herstellerseitige Serviceleistungen sowie einen Long Term Support.

2024 wurde die Version Pimcore 12 releast. Mit dem Update wurde Kompatibilität mit dem PHP-Framework Symfony 7.3 hergestellt, default ist die Version 6.4. Pimcore setzt im Technologie-Stack auf ExtJS 7 und PHP 8.4. Durch die nahtlose Integration der Open-Source-Suchmaschine elasticsearch bietet Pimcore eine sehr leistungsstarke Möglichkeit der Skalierung, die besonders für E-Commerce-Projekte interessant ist, die sehr viele verschiedene Produkte und Produktvarianten beinhalten.

 

 

Commerce Framework & Digital Experiences

Das Pimcore E-Commerce Framework ist eine innovative Commerce-Lösung, mit der sich sowohl klassische Onlineshops als auch Headless-Systeme umsetzen lassen. Ebenso wie das Spryker Commerce OS oder commercetools basiert auch das Pimcore Framework auf einzelnen API-gesteuerten Komponenten, die miteinander kombiniert werden können, um hochindividuelle und anspruchsvolle Commerce-Lösungen sowohl im B2C- als auch im B2B- und D2C-Bereich abzubilden. Pimcore bietet keinen Out-of-the-Box-Shop an, der Fokus liegt hier klar im Bereich maßgeschneiderter E-Commerce-Anwendungen wie beispielsweise Reisebuchungs- und Ticketing-Systemen, Onlinekonfiguratoren und der Einbindung des Commerce-Moduls in komplexe DXP-Lösungen. Pimcore ist nicht auf ein Shopfrontend festgelegt, sondern bietet die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Frontend-Applikationen anzubinden. Dazu können z. B. Mobile-Apps zählen, aber auch Applikationen aus den Bereichen Voice Commerce, IoT oder Agentic Commerce.

Das Commerce Framework von Pimcore eignet sich sowohl für B2C-Projekte als auch für digitale B2B-Geschäftsmodelle. Die Module Preismanagement, Warenkorb und Check-out umfassen eine Reihe von B2B-Funktionalitäten. Darauf aufsetzend können kundenspezifische Preise und Staffelpreise, die Aggregation von Produkten und Preisen sowie die Unterstützung von Produktkonfiguratoren im Warenkorb oder komplexe Checkout-Prozesse (z. B. Freigabeprozesse oder individuelle Angebote) durch individuelle Erweiterungen abgebildet werden.
Das Digital Commerce Framework von Pimcore kann durch Programmierschnittstellen (API) erweitert werden, sodass Drittsysteme (ERP, CRM) problemlos angebunden werden können. Unternehmen, die große Sortimente, viele Produktvarianten oder sehr komplexe Produkte vertreiben, die ihr Onlineangebot in ein Multichannel-Szenario einbetten oder Shops in verschiedenen Sprachräumen betreiben möchten, können darüber hinaus von weiteren digitalen Produkten der Pimcore-Plattform profitieren. Neben dem Commerce Framework stellt die Plattform sehr leistungsstarke Lösungen in den Bereichen Data Management (PIM, MDM, DAM, CDP), Content Management und Digital Experience (DXP) bereit. Als Teil der Pimcore-Plattform ist das Digital Commerce Framework deshalb hervorragend geeignet, komplexe kanalübergreifende Enterprise-Lösungen umzusetzen und dazu alle relevanten Systeme und Prozesse in einer konsolidierten Plattform zusammenzuführen.

AI-Features und AI-Integrationen

Das Pimcore E-Commerce Framework lässt sich um KI-Funktionen erweitern, die direkt an den Datenkern andocken. Unternehmen können beliebige KI-Modelle wie OpenAI, Anthropic oder Google anbinden und bleiben so technologisch unabhängig. Durch eine Partnerschaft mit Hugging Face steht zudem ein breites Modellökosystem zur Verfügung. In Pimcore lassen sich so produktive AI-Use-Cases entlang der gesamten Wertschöpfungskette umsetzen.
Bestandteil der Pimcore-Plattform ist außerdem der Pimcore Copilot. Der Copilot automatisiert wiederkehrende Aufgaben, generiert Inhalte und unterstützt Nutzer*innen kontextsensitiv in PIM, DAM und DXP. Typische Anwendungsfälle sind die KI-gestützte Attributanreicherung, die Erstellung konsistenter Produktbeschreibungen für verschiedene Kanäle oder die automatische Zuordnung von Assets zu Produkten. Dadurch werden manuelle Aufwände reduziert, die Sortimentspflege vereinfacht und die Time-to-Market verbessert. Technisch deckt Pimcore sowohl die Ausführung von KI-Modellen als auch Trainingsszenarien, Embeddings und RAG-Workflows ab. Dadurch können Händler*innen zum Beispiel beratende Funktionen, semantische Suche oder Chat-Erlebnisse auf Basis der eigenen Produkt- und Wissensdaten aufbauen.

Fazit

Das Pimcore Digital Commerce Framework ist eine leistungsstarke und flexible Lösung für anspruchsvolle, individuelle E-Commerce-Projekte, die nicht mit einer Standard-Shoplösung abgebildet werden können. Mit seinem modularen Framework-Ansatz ähnelt das Commerce Framework von Pimcore dem Spryker Commerce OS, das ebenfalls auf hochindividuelle und innovative Commerce-Lösungen ausgerichtet ist. Ebenso wie Spryker setzt Pimcore deshalb in der Regel einen größeren Entwicklungsaufwand und entsprechendes Know-how voraus. Shopsysteme wie ShopwareAdobe Commerce oder Shopify Plus, die Out-of-the-Box-Lösungen anbieten, sind deshalb oft für einfache Projekte die bessere Wahl.
Pimcore stellt die wichtigsten E-Commerce-Funktionalitäten – wie Pricing, Carts, Check-out, Payment und Orders – für den B2C-Bereich ebenso wie für den B2B-Bereich bereit. Vor allem im Zusammenspiel mit den Data-Management- und Content-Management-Funktionalitäten der Pimcore-Plattform bietet Pimcore ein sehr starkes Gesamtpaket für komplexe, individuelle Enterprise-Projekte, das als offene API-first-Plattform gleichzeitig die Möglichkeit bietet, auch externe Systeme nahtlos anzubinden.

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